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Verhaltensauffälligkeit

Verhaltensauffälligkeit oder Verhaltensstörung bei Kindern und Jugendlichen

Was ist eine Verhaltensstörung? Ist eine Sucht oder eine Krankheit eine Verhaltensstörung? Nein.

Eine Verhaltensstörung ist die wiederholte und dauerhafte Abweichung von der Norm einer vergleichbaren Gruppe; eine Abweichung mit der Beeinträchtigung der Umwelt und des Betroffenen selbst.
Abweichung von welchen Normen könnten Sie fragen - und was ist überhaupt eine Norm? Eine Norm ist die Durchführung und die Bestimmung von Werten.
Welche Werte? Z.B. Gleichberechtigung, Freundlichkeit, Ehrlichkeit. Sie sind nicht diskutierbar, sie gelten für alle als Postulat.
Heinz Bach definiert: bei der Verhaltensauffälligkeit ist die Art des Umgangs entscheidend. Es ist nicht eine Person gestört, sondern deren Anpassung an eine Situation, Institution, Person oder die Umwelt. Ein Verhalten an sich ist nicht schlecht, sondern schlecht angepasst.

  • Diskussion: Verhaltensauffälligkeit

Ich möchte mit Ihnen folgende Frage diskutieren:

Wer kann Jugendlichen bei Verhaltensauffälligkeit helfen?

In Zeiten des gesellschaftlichen und persönlichen Umbruches sind nicht nur Selbstexperimente gefragt, sondern auch neue Selbstdefinitionen und Selbstentwürfe.
Sich immer aufs neue zu definieren, dem Moment entsprechend, bedeutet ständige geistige Anstrengung und Auseinandersetzung. Nicht viele Erwachsene und noch weniger Jugendliche sind bereit, ihren Alltag und ihre Freizeit als Schulung und geistige Anstrengung zu sehen. Oder sie haben keine Kraft oder Lust für eine Auseinandersetzung mit sich und ihrem eigenen Leben. Verdrängte, unterdrückte und ignorierte Emotionen explodieren oder entarten zu einer Form, die sozial unakzeptabel ist. Der Jugendliche gerät in eine Isolation und wird dadurch in eine von der Umwelt abgelehnte Rolle mit Sucht oder Störung gedrängt.

Wenn Jugendliche die Verhaltensweisen der Gewalt und der Unterdrückung gegen andere einsetzen, erleben sie permanent Ablehnung und Sanktionen durch Umwelt und Gesellschaft. Gleichzeitig kommen sie nicht mehr von diesem negativen Image weg.
In der Regel sind auffällige Jugendliche in erster Linie verunsichert.
In dieser unsicheren Welt gibt es für sie keine oder nur schwer einhaltbare Grenzen. Die Jugendlichen weichen von „normalen“ Verhaltensweisen ab, um die Grenzen herauszufinden. Sie rasten aus, die Situation eskaliert.

Wer kann Jugendlichen helfen, wenn sie in der Schule versagen oder aufgrund ihrer biographischen Erfahrungen Brüche und Störungen in ihrer Sozialisierung erleben?

  • Zunächst die Eltern, die ihren Kindern Aufmerksamkeit und Liebe geben.

Die Eltern sind die ersten Anwälte für die Interessen und Bedürfnisse von Jugendlichen, da „… in aller Regel Eltern das Wohl des Kindes mehr am Herzen liegt als irgendeiner anderen Person oder Institution(en)“. (BVerfGE 59, 360 (376))

Es ist leider bekannt, dass ein Teil der Eltern „… aus unterschiedlichen Gründen mit dieser Aufgabe so überfordert ist, dass erhebliche Schädigungen von Kindern bis hin zum Tod drohen“. (Werner (Hrsg.) 2006)

  • Ferner die Lehrer, die ihren Schülern gewachsen sind und mit ihnen geduldig und verständnisvoll umgehen.

Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass leistungsstarke Schüler starke Lehrer brauchen: „Nicht das Bildungssystem an sich stecke in einer Wertekrise, sondern die Selbstwahrnehmung der Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen müsse gestärkt werden…“, so das Fazit der Forscher. (Kühn, 2007)

  • Letztendlich das Jugendamt

Kinder haben ein Recht auf Schutz vor Misshandlung und Vernachlässigung… . So verlangt es das Gesetz“, schreibt Ursula von der Leyen in ihrem Grußwort. (Werner (Hrsg.) 2006 S.1)

Sie schreibt weiter, dass bei aller Wertschätzung der elterlichen Erziehungsverantwortung „… uns wohl bewusst (ist), dass wir den Schutz von Kindern nicht ausschließlich den Eltern anvertrauen können, sondern der Staat in die Bresche springen muss, wenn und solange das Kindeswohl gefährdet ist und die Eltern nicht gewillt oder in der Lage sind, eine solche Gefährdung abzuwenden.“ (ebd. S.1-2)

Da wir von dem Potential des Kindes und seiner Familie und von der guten Kooperation zwischen Jugendamt, Jugendhilfeträger und Eltern ausgehen, haben wir ein neues Konzept für eine Tagesgruppe nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen konzipiert, das aus unser Sicht besser für die „Heilung" der ganzen Familie geeignet ist.

Man hilft Eltern, um Kinder zu schützen.“ Das ist unsere erste These.

Darüber hinaus lautet unsere zweite These:

Jugendliche sind mehr angesprochen, wenn man ihnen statt Hausaufgabenbetreuung und psychologischer oder pädagogischer Einzelbetreuung/-therapie, eine Orientierung und eine autonome Lebensgestaltung durch Erlebnisse und Sport in der Gruppe ermöglicht.

Wenn Sie hierzu Ihre Meinung mit uns teilen möchten, schreiben Sie uns Ihre Vorschläge, Ideen und Sorgen in unser Kontakt-Formular. Wir werden Ihnen gerne eine Antwort geben.

Ihr Familienzentrum-Team

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