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Diskussionsthema: "Neid"

Zur Diskussion:
Ich möchte Sie zu einer Diskussion über das interessante Thema "Neid" einladen.
Bei den Familienaufstellungen könnten wir das verdrängte oder unbewusste Thema Neid unter Eltern, unter Generationen und besonders unter Geschwistern sehr gut erkennen.
An dieser Stelle möchten wir einen kleinen Exkurs in die Freud-Theorie über Neid machen.
Freud hält Neid für Erstgeborene für zwanghaft und naturgesetzlich. Denn der Erstgeborene beansprucht die ganze Liebe seiner Eltern für sich selbst.
Diese Monopolanspruch wird durch Geschwister oft zerstört. Der Erstgeborene fühlt sich entthront, beraubt, aus dem Paradies vertrieben und entwickelt einen Groll auf die ungetreue Mutter. Der kann, meint Freud, sich nichts sehnlicher als den "Tod" seines Geschwister wünschen.
Es ist erschreckend, meint der Vater der Psychoanalyse, mit welcher Feindseligkeit einige Kinder ihrem Geschwister begegnen. Er behauptet sogar, das alle Erstgeborene "Kainszeichnen" tragen.
Viele Faktoren sind für die Neidentwicklung wichtig. Das Alter ist einer davon. Ist die Trennung von der Mutter in den ersten 2 Jahren passiert, in denen das Kind Trennungsängste leidet und sich allein behaupten muss, da ein Baby mehr Hilfe benötigt? Wenn ja, dann erleben verunsicherte, ängstliche Kinder die Trennung schmerzhafter.
Geschwisterneid wird durch Familienkonstellationen verstärkt. Zeigen die Eltern, dass Geschwisterneid ihnen missfällt, müssen die Kinder sich arrangieren, um elterliche Liebe nicht zu verlieren. Geschwister achten auf die kleinste Möglichkeit (die ist nicht auszurotten, da Geschwister nicht gleich sind) neidisch zu werden, egal wie sich die Eltern bemühen, alle gleich zu behandeln.
Eltern müssen Unterschiede machen, ohne dass sich eines ihres Kindes benachteiligt fühlt. Die Kinder beobachten es genau.
Unbewältigter Geschwisterneid kann zu Charakterfehlern führen.

Ratschläge für Eltern: der Storch kann nicht nur der Mami das Baby bringen, sondern auch die Süßigkeiten für Erstgeborene. Der Schmerz soll ständig versüßt werden. Stets alle Geschwister bedenken und ihre Verteilungskämpfe durch Elternautorität verhindern.
Wenn Sie sich ständig in die Geschwisterangelegenheiten einmischen, verschärfen Sie dann den Kampf um elterliche Liebe und Aufmerksamkeit? Sie sollten besser abwarten, bis die Geschwister ihre Beziehungen selbst regeln und nur eingreifen, um Benachteiligte zu schützen.
Kinder richten sich weniger nach dem, was Sie ihnen sagen, sondern mehr nach dem, was Sie ihnen vorleben.
Probleme, die Geschwister miteinander haben, sind deshalb nicht selten die Probleme ihrer Eltern. So kann der Neid zwischen Geschwistern Ausdruck eines Kampfes sein, den die Eltern um die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Kinder führen. Jedes Elternteil versucht, mehr kindliche Zuwendung als das andere Elternteil zu erringen, um dadurch dessen Neid zu erregen. Wird ein Kind favorisiert, haben die Geschwister Recht für Neid und Rache.

Die entspannteste Geschwisterbeziehung entsteht, wenn man die Autorität der Erstgeborenen nicht in Frage stellt. Freud unterstreicht, dass man den Einfluss des Geschwisterneides auf die spätere Entwicklung unterschätzt wird. Auch nach Jahrzentelanger Stille kann Geschwisterneid zum Ausbruch kommen, um offene Rechnungen zu begleichen und klar zu stellen, wer das Lieblingskind seiner Eltern ist.
Verdrängter und übertragener Geschwisterneid sowie unbewältigte Geschwisterkonflikte erschweren es, anderen Personen unvoreingenommen zu begegnen. Stets ist man geneigt, die eigene Geschwisterposition wiederherzustellen.

In der Familienaufstellung oder der Gruppentherapie kommen die unverarbeiteten Gefühle (keiner hat sich um mich gekümmert, alle haben mich dominiert, nicht gerne gehabt) eines ungeliebtes Kindes an die Oberfläche. Diese Stellung oder Rolle aus der Ursprungsfamilie spiegelt sich auf die Rolle, die man in der Therapiegruppe einnimmt.
Oft kann man die Einstellung und die Argumentation von Gruppenteilnehmern beobachten, die meinen: "Alle in der Therapiegruppe haben mehr Aufmerksamkeit als ich erhalten. Ich nehme mir sie selbst. Der Therapieleiter mag andere mehr als mich." Und sie verlangen von dem Leiter ihnen mehr zu geben, was sie brauchen, denn die anderen haben es nicht nötig. Nämlich Aufmerksamkeit und emotionale Nähe.
Wir würde uns freuen, wenn Sie uns Ihre Meinung zu diesem Thema in einem Kontakt-Formular mitteilen würden.

Herzliche Grüße

Elena Gulina und das Familienzentrum-Team

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